Periimplantitis: Warum versagen Antibiotika?
Um zu verstehen, warum Antibiotika in manchen Fällen wenig oder gar nicht wirken, muss man sich erst einmal vorstellen, wie sie funktionieren. Die Wirkstoffe müssen zuerst einmal an den Ort kommen, wo der Infekt sitzt. Da die antibiotischen Wirkstoffe über die Blutbahn durch den Körper wandern, ist es zwingend, dass der infizierte Bereich gut an die Blutversorgung angeschlossen ist. Ist das nicht der Fall, ist die antientzündliche Wirkung vor Ort schwer erreichbar. Bei Periimplantitis ist dies so: Die gefährlichen Keime sitzen vor allem auf der rauen Oberfläche des Titan-Implantates, also nicht (oder nur wenig) im durchbluteten Gewebe. Da diese bakteriellen Beläge auf der Implantatoberfläche also weitgehend vor Zerstörung geschützt sind und sich dort zudem ein von Luft fast abgeschlossener Raum befindet, bildet sich nicht selten auch ein besonders resistentes Bakteriengemisch. Hinzu kommt eine neue Erkenntnis einer US-amerikanischen Wissenschaftler-Gruppe: Die Bakterien lösen aus dem Implantat winzige Titan-Partikel heraus, die die Immunabwehr stören. Die Fresszellen (Makrophagen) werden behindert, die Entzündung zu bekämpfen. Das ist gut, damit der Fremdkörper Implantat nicht abgestoßen wird. Das ist ungünstig, wenn kraftvolle Makrophagen gebraucht werden, um die örtliche Entzündung abzubauen und Knochenabbau zu verhindern. In einem Maus-Modell im Labor haben die Forscher einen Weg gefunden, die Makrophagen zu so behandeln, dass sie das Implantat nicht abstoßen, aber den gefährlichen Biofilm bekämpfen. Damit ist ein Weg für weitere Studien geöffnet, die dem Immunsystem mehr Chancen zur Heilung von Periimplantitis eröffnen könnten.
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